Die meisten Unternehmen haben eine Strategie. Kaum jemand lebt sie.
Dr. Samuel Huber ist Gründer des For Planet Strategy Lab und Dozent an der Universität St. Gallen. Er hat in Organisationen verschiedenster Größe beobachtet, warum Strategieprozesse regelmäßig in der Schublade enden; und was dagegen hilft. Seine Antwort ist nicht das nächste Framework. Sie beginnt mit einer präzisen Unterscheidung: Wenn alles klar ist und das Rezept funktioniert, brauche ich einen Plan. Strategie brauche ich erst dann, wenn das Rezept nicht mehr funktioniert. Das ist nicht trivial; es bedeutet, dass ein Großteil der Strategiearbeit in Organisationen stattfindet, die eigentlich gar keine Strategie brauchen. Und umgekehrt.
Was eine Strategie zum Leben braucht: Sie muss den Kontext der Organisation wirklich verstehen, nicht den einer anderen. Sie muss partizipativ entstehen, wobei Sensemaking mit vielen gemacht wird und Entscheidungen mit wenigen. Sie muss prototypisiert werden, bevor sie veröffentlicht wird; je fragiler der Prototyp aussieht, desto ehrlicher das Feedback. Und sie muss in die Routinen der Organisation eingebettet werden. Nicht im Workshop. Im Alltag.
Humans have habits. Organizations have routines.
Der unbequeme Teil: Fast keine Strategie bezieht den Planeten als Stakeholder ein. Samuel argumentiert, dass das kein ökologisches Versäumnis ist, sondern ein strategisches. Wer Flora, Fauna, Klimasysteme und gesellschaftliche Dynamiken ignoriert, baut auf einem unvollständigen Bild. Und unvollständige Bilder produzieren blinde Flecken. Das Rotterdam-Beispiel zeigt, was möglich wird, wenn man das ändert: bessere Argumente für staatliche Finanzierung, stärkere Verbundenheit zur Stadt, ein komplett neues Geschäftsfeld.
Das Gespräch endet nicht mit einer sauberen Auflösung. Es endet mit einem ehrlichen Spannungsfeld: Wie handelt man in einem System, das auf Wachstum ausgelegt ist, wenn man gleichzeitig überzeugt ist, dass dieses System nicht ausreicht? Samuels Antwort: Man kann für den Planeten Geld verdienen, ohne Nonprofit zu sein. Es ist keine Entweder-Oder-Frage. Es ist eine Designfrage.
Im Gespräch erfährst du unter anderem:
- wann ein Plan reicht und wann Strategie nötig ist
- die vier Bedingungen für eine lebendige Strategie: Kontext, Partizipation, Prototyping, Routinen
- warum Prototyping der am meisten unterschätzte Schritt ist
- wie viel Zeit dein Team wirklich für die Zukunft reserviert; und wie viel es sollte
- den Planeten als Stakeholder; was das konkret bedeutet und was es bringt
- wie Ownership und Verantwortung auseinanderfallen; und was das für Transformation bedeutet
- was du morgen früh konkret anders machen kannst
Kapitel / Timestamps:
00:00 — Intro
01:04 — Was Design wirklich bedeutet; und warum es weit über Marketing hinausgeht
04:58 — Was Strategie wirklich ist; und warum fast alle es falsch verstehen
13:33 — Wann du keine Strategie brauchst; und wann du eine brauchst
16:28 — Warum Strategien scheitern; die vier Bedingungen für lebendige Strategie
19:04 — Strategie testen statt präsentieren; das Rotterdam-Beispiel
24:42 — Organizational Change: Warum Routinen wichtiger sind als Workshops
25:29 — Den Planeten in die Strategie holen; warum das rational ist, nicht idealistisch
34:19 — Profit und Nachhaltigkeit: geht das zusammen?
40:24 — Warum die neue Unternehmerfrage lautet: Wie wenige hast du angestellt?
44:29 — Ownership ohne Verantwortung: das Problem in Großkonzernen
51:04 — 3 Fragen für bessere Strategie; die du morgen stellen kannst
55:59 — Strategie ist eine Richtung, kein Plan
57:58 — Was passiert, wenn wir den Planeten weiter ignorieren





